31.12.09

Theaterhaus Stuttgart 20.12.2009





Karin Oehler voc & Axel Kühn b im Stuttgarter Theaterhaus

von Thomas Staiber

Eine Frau und ein Mann, eine weibliche Stimme und ein Bass - mehr braucht es nicht, um einen Liederabend auf die Bühne zu bringen, der lange nachwirkt. Die Frau ist die Vokalistin Karin Oehler, in Stuttgart als Dozentin für Pop-Gesang und Interpretation bei "Go Vocal" tätig, der junge Mann am Kontrabass heißt Axel Kühn, seines Zeichens Landesjazzpreisträger 2009. Dessen außergewöhnliche musikalische und musikantische Begabung, seine technische Finesse und Einfühlsamkeit sind für sich schon ein Hörgenuss. Wie er der strahlenden Stimme von Karin Oehler warm und tief antwortet, wie zurückhaltend er sie begleitet, wie schön und phantasievoll er seine Soli gestaltet, das begeistert die Konzertbesucher des Theaterhauses.
Natürlich dreht sich bei den Songs und Chansons alles ums Lieben und Geliebtwerden, ums Verlassen und Verlassenwerden, um Liebeslust und Liebesleid. Den Inhalt jedes Liedes stellt Karin Oehler mit ein paar geistreichen Bemerkungen vor. Sie überträgt ihn ins Deutsche, sodass sich das Publikum ganz in den Klang der Musik und der gesungenen Sprache hineinfühlen kann. Nahezu akzentfrei singt sie mit klarer Stimme, der ihre akademische Bildung deutlich anzuhören ist. Sie tut das so glaubwürdig, als ob sie auf dem Liebeskarussell selbst schon die eine oder andere Runde gedreht, die lustvollen Seiten der Liebe ausgekostet, deren schmerzhafte durchlitten hat. Vieles davon wird der 28-Jährige, ihr junger Begleiter + ihre männliche Gegenstimme an diesem Konzertabend, noch vor sich haben. Auch dieser Kontrast von Erfahrung und Jugend ist reizvoll zu sehen und zu hören.


Das Programm, das die ostdeutsche Vokalistin zusammengestellt hat, enthält viele der besten Jazzsongs und Filmmelodien. Einen ganzen Liederzyklus widmet sie Michel Legrand, seiner französischen ("Les Parapluies De Cherbourg") und seiner Hollywood-Phase ("On My Way To You"). Sie interpretiert "Don't Explain", das Billie Holiday bekannt gemacht hat, das Lied einer Frau, die betrogen wurde, aber froh ist, dass ihr Mann zurückgekommen ist. Bei „Cry Me A River“ will auch einer zurück, erhält aber von der Verlassenen eine kühle Abfuhr, in der ihre geweinten Tränen allerdings noch zu spüren sind. Karin Oehler singt das relativ schnell, viel schneller etwa als ihre große Kollegin Diana Krall. Das Gedicht „Les Feuilles Mortes“ von Jacques Prévert wurde durch die Vertonung von Kosma unter dem Namen „Autumn Leaves“ zu einem Standard des Jazz. Miles Davis etwa hat ihn wunderbar gespielt. Auch hier geht es um eine vergangene Liebe, die als wehmütige Erinnerung in einem Lied weiterlebt. Karin Oehler singt es auf Französisch mit anrührender Intensität, Axel Kühn begleitet federnd und lässt es mit einem inspirierenden Solo ausklingen. Die letzte Melodie des Konzertabends, ein Largo von Dvorák, entlässt die Menschen nachdenklich in die Winternacht: Vielleicht erinnern sie sich an eigene gelebte Erfahrungen, die im Wohlklang dieser Duo-Musik aufgehoben worden sind.